Kristin Wirthensohn - Fotokompositionen

 
Die Wiederentdeckung des Alltags

Kristin Wirthensohn setzt sich in ihren Fotokompositionen mit alltäglichen Situationen auseinander. Bewusst zeigt sie in ihren Bildern gewöhnlichen, normalen und friedlichen Alltag aus Natur und Urbanem.

Bei den Fotokompositionen transformiert Kristin Wirthensohn mit den einzelnen Aufnahmen das Blickfeld des menschlichen Auges. Durch das fugenlose Aneinanderreihen der Fotos ergeben sich Erzählungen, Fokussierungen, Verdichtungen, Gegensätze, Gedankenspiele, Assoziationen und Erinnerungen, aber auch Lebendigkeit, Bewegung und Rhythmus. Eine neue elementare Wahrnehmung durch genaues Hinschauen ermöglicht das Alltägliche, die Realität neu zu entdecken und bewusster zu sehen.



 
Text von Eva Buhrfeind

Werke einer feinsinnigen Beobachterin.

Kristin Wirthensohn zeigt in der Galerie9 in Solothurn eine Auswahl ihrer stimmungsvollen fotografischen Kompositionen.

Die Filmtage stehen vor der Tür, da kommt man nicht daran vorbei. Dabei ist ein Film rein technisch gesehen doch nichts anderes als die schnelle Abfolge vieler Einzelbilder, die eines Tages laufen lernten und sich immer neu erfanden. Und bei Kristin Wirthensohn?

Die 1954 geborene Solothurnerin, die in den 1980er-Jahren im Bereich Film gearbeitet hat von der Produktion über die Regie bis zur Kamera, hat seit Ende 1989 zur Fotografie gefunden, schafft mit den Fotokompositionen und einer filmisch geprägten Kreativität ganz eigene Stimmungen und Momente - ohne jegliche Manipulation, also Fotografie pur.
Es sind unspektakuläre alltägliche Aufnahmen: Landschaftsmomente, der Blick über den Nebel vom hinteren Weissenstein, Reiseimpressionen, die dicht gewachsene Natur, Gewässer, Urbanes, ein altes Kinderkarussell, Schafe auf dem winterlichen weissen Feld, einfache Holzbeigen. Es wären einfach nur kleine Impressionen und unaufgeregte Inhalte, Erinnerungen und Eindrücke im Postkartenformat. Wenn, ja wenn Kristin Wirthensohn ihre digitale Fotografie nicht zu kleinen Geschichten, stimmungsvollen Sequenzen und Szenen neu zusammensetzen würde, ob nun leporelloartig aneinandergereiht, als mosaikartige Komposition, als filmisch anmutende Abfolge, als fantasievolles Spiel mit unterschiedlich fokussierten Ausschnitten.
So vertieft sie die Eindrücke eines besonderen Ortes und seiner Stimmung, choreografiert neue Momente, verwandelt verschiedene Aufnahmen zu einer eindrücklichen in sich stimmenden Ansicht oder erhöht mit der repetitiven oder verschachtelten Bilderfolge die Wirkung und Intensität einer ursprünglichen Sehweise. Da wachsen verschiedene Gebüsche zu einer neuen geheimnisvollen Natur zusammen, die Grenzen scheinen aufgehoben, die Einzelbilder erweitern das Gesehene, wie sich auch Einzelmomente der Wüste, einer Fahrt auf dem Nil zu einer eigenwilligen Einheit neu formieren. Szenisch ablaufende Brienzer Seestimmungen im feinen Dunst des Regens erzeugen ein filmhaftes Moment der Melancholie wie einer untergründigen Spannung. Momentaufnahmen aus Genua kontrastieren Gegenwart und Historie, das verschachtelte Kinderkarussell suggeriert leise eine erzählerische Bewegung.
Immer wieder spürt man die einstige Filmemacherin, ihr Gespür für die erzählerische Wirkung von Tiefe, Nähe und Distanz, für den Einblick als Ausblick. Die Künstlerin beweist sich in diesen wirkungsstarken Kompositionen als eine feinsinnige Beobachterin, die mit einfachen fotografischen Bildern visualisiert, dass im Einfachen oft eine besondere Vielfalt zu entdecken ist.

Eva Buhrfeind in Der Sonntag, Nr. 3, 20. Januar 2013



Text von Hansruedi Hitz

Die visuelle Erzählerin

Geschichten fürs Auge - die Geschichte einer speziellen Schifffahrt beispielsweise - erzählt Kristin Wirthensohn mit ihren Fotokompositionen, die einen Monat lang in der Galerie9 in Solothurn zu sehen sind. Heute war Vernissage dieser kleinen, aber feinen Fotogeschichten. Kristin Wirthensohns visuelle Geschichten handeln von Bäumen, die in den Himmel wachsen, von pulsierenden Hafenstädten, die in Form von Fotokompositionen auskristallisieren und von Symphonien, die durchs Gebüsch rascheln.
Als bekennendem Panorama-Fan sind mir natürlich sofort diese Wüstenpanoramen ins Auge gesprungen, die sich bei näherem Betrachten als Fotokompositionen entpuppen, die nur so tun, als wären sie Panoramen. Kristin Wirthensohn, die visuelle Erzählerin, hat noch weitere Geschichten fürs Auge auf Lager - zu sehen in der Galerie9.com in Solothurn.

Hansruedi Hitz auf www.kulturflaneur.ch, 17. Januar 2013